Digital Automotive

Definition von Digital Automotive Andreas Peters
10. Juni 2015 |  3309  0
Andreas Peters

Unter dem Begriff Digital Automotive werden digitale Dienste und Entwicklungen im Automobilbereich zusammengefasst.

Das Auto erlebt eine digitale Evolution. Heute entfallen bereits mehr als 40 Prozent der automobilen Wertschöpfung auf Softwarekomponenten, mit steigender Tendenz. Damit verändert sich auch die Rolle der Hersteller: Sie müssen stärker in die Entwicklung von digitalen Produkten investieren und suchen die Nähe zu Software-Häusern und Dienstleistern, um Innovationen schneller voran zu bringen.

Die Vernetzung des Fahrzeugs  mit seiner Umwelt und digitale Assistenten entwickeln sich zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Laut einer McKinsey-Studie von 2014 wird der weltweite Markt für Connectivity-Komponenten und -Dienste bis zum Jahr 2020 auf 170 Mrd. Euro wachsen. Nach einer Prognose des VDA sind bereits 2016 fast 80 Prozent der verkauften Neuwagen vernetzt. Das IT-Forschungsunternehmen Gartner schätzt, dass bis 2020 jedes fünfte Fahrzeug weltweit mit dem Internet verbunden ist.

Erste Connected Services haben das Internet ins Auto gebracht und somit den Zugang zu Diensten ermöglicht, die für Nutzer außerhalb des Fahrzeugs heute selbstverständlich sind (z.B. Musik, News, Social Media). Künftig geht es darum, das Auto zu einem Teil des „Internet der Dinge“ zu machen und das Fahrzeug als Knoten ins weltweite Datennetz zu integrieren. Damit werden neuartige Services und Business-Szenarien möglich, wie vorausschauende Wartung, Concierge-Dienste oder schnellere Notfall-Hilfe.

F015 Concept Daimler Quelle: Daimler

Der Mercedes F015, ein Forschungsfahrzeug, das der Hersteller auf der CES in Las Vegas vorstellte, ist ein einziger Touchscreen und ein Musterbeispiel für Digital Automotive. Foto: Daimler

Durch die zunehmende Vernetzung mit der Umgebung und einer wachsenden Zahl von Sensoren werden digitale Assistenzsysteme immer leistungsfähiger. Bereits heute ist teilautonomes Fahren möglich. Die Rechtlage für komplett autonome Lösungen muss jedoch noch geklärt werden. So schreibt z.B. in Europa das „Wiener Übereinkommen über den Straßenverkehr“ von 1968 vor, dass jedes Fahrzeug in Bewegung einen Fahrer haben muss.

Auch am Point of Sale setzt sich die Digitalisierung durch. Dabei nutzen Anbieter digitale Verkaufsflächen in modernen Showrooms, um neue Zielgruppen jenseits des klassischen Autohandels zu erreichen. Beispiele hierfür sind Audi City (u.a. London, Peking, Berlin) oder BMW Brand Store (u.a. Paris, Brüssel), die mit moderner Technik den Kunden ein neues Markengefühl vermitteln und die steigende Modellvielfalt zeigen.

Bildquelle: Daimler