Fahrgastfernsehen

Definition von Fahrgastfernsehen Klaus Wieking
4. Dezember 2017 |  142  1
Klaus Wieking

Fahrgastfernsehen wird über Monitore im öffentlichen Nah- und Fernverkehr (ÖPNV) – in U-Bahnen, Bussen, Straßenbahnen, Regional- und Fernzügen – ausgestrahlt. Neben den Service-und Verkehrsinfos der Verkehrsbetriebe wird im Fahrgastfernsehen zudem ein tonloses Infotainment-Programm ausgestrahlt. Das zumeist über Werbung finanzierte Fahrgastfernsehen wird der digitalen Außenwerbung zugerechnet und erzielt hohe Reichweiten.

Was für ein Programm bietet Fahrgastfernsehen?

Das redaktionelle Fahrgastfernseh-Programm ist ein Infotainment-Mix lokaler und überregionaler Nachrichten aus Politik, Unterhaltung, Sport, Wetter, Kultur, Lifestyle etc. Neben selbstproduzierten Inhalten arbeiten die von den jeweiligen Verkehrsbetrieben beauftragten Programmveranstalter mit anderen Medien zusammen, die Formate, etwa News, zuliefern. Das größte deutsche Fahrgastfernsehen, das in der U-Bahn der deutschen Hauptstadt ausgestrahlte „Berliner Fenster“, arbeitet u.a. mit dem Kicker, der Boulevard-Zeitung B.Z. sowie dem Nachrichtensender N24 zusammen. Während der gesamten Betriebsdauer der Verkehrsbetriebe (sieben Tage die Woche, bis zu 20 Stunden) wird das Programm in Sendeschleifen ausgestrahlt, die unterschiedlichen Aktualisierungszyklen unterliegen. Der Werbeanteil jeder Programm-Schleife beträgt je nach Anbieter zwischen 20 und 50 Prozent.

Wie wird Fahrgastfernsehen ausgestrahlt?

Die auf einem Zentralserver gespeicherten redaktionellen und werblichen Inhalte gelangen über DAB, LTE oder WLAN auf die Fahrzeug-Rechner. Anschließend werden die Daten – nach Zeitpunkt und Position der Fahrzeuge geordnet – über ein Content-Managementsystem (CMS) auf die Monitore gespielt. Bei modernen, in HD-Qualität ausgestrahlten Programmen wie dem im Münchner ÖPNV ausgestrahlten „Münchner Fenster“, ist eine minutenschnelle Aktualisierung des Programms on the flight möglich. Andere Fahrgast-TV-Sender strahlen ihr Programm in einer Endlosschleife aus, die nur einmal in 24 Stunden aktualisiert wird.

Wie funktioniert beim Fahrgastfernsehen die Vermarktung?

Die Ausstrahlung von Werbung lässt sich im Fahrgastfernsehen flexibel an Zeit (Tageszeit, Wochentage), Zielgruppen, Sendeumfelder und den Ort anpassen. Angeboten werden u.a. Single-Spots, Presentings und Sponsorships bestimmter Formate (Wetter etc.) Die Fahrgast-TV-Kanäle Berliner und Münchner Fenster bieten Werbeschaltungen in Zwei-Stunden-Slots an (etwa von 8 bis 10 Uhr oder 18 bis 20 Uhr), die der Kunde frei wählen kann. Somit können die Werbebotschaften an unterschiedliche Zeitfenster, Sendeumfelder und bestimmte Zielgruppen (Pendler, Schüler, Haushaltsführende, Nachtschwärmer etc.) gekoppelt werden. Teilweise bieten Vermarkter punktuelle Werbung bis hin zu sublokalen Räumen (Haltestellen, Verkehrslinien) an.

Die Perspektiven des Fahrgastfernsehens

Fahrgastfernsehen ist aktuell noch ein Nischenmarkt innerhalb der Außenwerbung und verfügt über kein national buchbares Netz. Dennoch werden die Perspektiven des Mediums positiv eingeschätzt. Das sind die Hauptgründe:

  • Immer mehr Verkehrsanbieter werden im Digitalzeitalter dynamische Verkehrsinformation anbieten müssen. Zur Refinanzierung bieten sich begleitende werbefinanzierte Infotainment-Programme an.
  • Die Technik zur Übertragung von bewegten Bildern in bewegte Fahrzeuge wird immer besser. Schon heute können Programme in HD-Qualität übertragen werden, die im Minutentakt aktualisiert werden können.
  • Während andere Medien, etwa Tageszeitungen, gegen sinkende Reichweiten kämpfen müssen, steigt die Kontaktzahlen von Fahrgastfernsehen unaufhörlich. Immer mehr Menschen ziehen in die Metropolen, die Fahrgastzahlen im ÖPNV steigen seit Jahren steil an.