Generative Design

Definition von Generative Design Heiko Dertinger
7. Mai 2015 |  4484  0
Heiko Dertinger

Generative Design beschreibt einen Gestaltungsprozess, bei dem das Ergebnis nicht mehr direkt durch den Designer erzeugt wird, sondern durch einen programmierten Algorithmus. Generative Design verändert damit nicht nur den Prozess des Gestaltens, sondern auch die Rolle des Design fundamental.

Die Methode wird heute bereits in allen gestalterischen Disziplinen eingesetzt – in der Kunst genauso wie im Kommunikationsdesign, Interactive Design, Corporate Design bis hin zur Architektur. Dennoch fristet Generative Design derzeit noch ein Nischendasein, das eher von Spezialisten angewandt wird.

Wie muss man sich das Erstellen eines generativen Designs vorstellen? Der bisher übliche digitale Gestaltungsprozess ahmte den analogen nach. D.h. der Designer konkretisiert wie ein Maler seine visuelle Idee mit Hilfe von grafischen Werkzeugen, wie Schrift, Farbe, Form oder Bildern. Beim generativen Gestaltungsprozess erschafft er dagegen sein „Bild“ nicht selbst, sondern erstellt einen digitalen Werkzeugkasten für den Computer. Dazu abstrahiert er zuerst eine Idee zu einem übergeordneten Prinzip. Aus einem Algorithmus kann er Parameter ableiten und in einen Quellcode übersetzen. Der Computer generiert das Ergebnis, der Gestalter bewertet es und verändert ggf. den Quellcode, die Parameter oder den Algorithmus.

Generative Design: Durch die Veränderung einzelner Parameter erzeugt der Computer ganze Bilderwelten. Copyright: BrandOffice

Generative Design: Durch die Veränderung einzelner Parameter erzeugt der Computer ganze Bilderwelten. Copyright: BrandOffice

Beim generativen Prozess erhalten Designer durch die Kombination herkömmlicher Elemente (z.B. Schrift, Farbe, Form, Bild) mit neuen Parametern wie Zufall, Struktur oder Wiederholung einen enorm erweiterten Gestaltungsspielraum. Neue Tools werden es auch Grafikern mit wenig Programmierkenntnissen ermöglichen, ihre Ideen umzusetzen. Damit wird generative Gestaltung künftig nicht nur von Spezialisten, sondern von der breiten Masse der Designer angewandt werden können.

Die Bedeutung von Generative Design lässt sich vor dem Hintergrund des Digital Branding gut erklären: So forderten 75 Prozent der Marketingleiter deutscher Unternehmen, dass die Corporate Design-Elemente im Umfeld verschiedener digitaler Medien und unterschiedlicher Touchpoints flexibler eingesetzt werden müssen. Komplexe Regelwerke, wie sie bisher das Corporate Design prägten, müssen daher flexiblen Anwendungsprinzipien weichen. Der generative Prozess kommt diesen Anforderungen entgegen: Die Definition grundlegender Gestaltungsprinzipien sichert die Markentypik ab, während die automatisierte Interpretation der Algorithmen eine Vielzahl verschiedener Varianten erzeugen kann.

Zusätzliche Quellen

Mehr Infos im Web zu Generative Design

Literaturtipps
Fachbuch: Hartmut Bohnacker, Benedikt Groß, Julia Laub, Claudius Lazzeroni (Hrsg.): Generative Gestaltung: Entwerfen, Programmieren, Visualisieren.