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Master Data Management

Master Data Management (kurz: MDM, deutsch: Stammdatenmanagement) bezeichnet die unternehmensweite Strategie zur einheitlichen Verwaltung und Pflege von Stammdaten. Stammdaten sind Kerndaten eines Unternehmens – etwa zu Kunden, Lieferanten oder Produkten. Sie werden systemübergreifend genutzt und ändern sich selten.

Begriffliche Einordnung und Abgrenzung

Der Begriff Master Data Management entstand mit der Verbreitung heterogener IT-Landschaften in Unternehmen. Verschiedene Systeme – etwa ERP (Enterprise Resource Planning), CRM (Customer Relationship Management) oder Einkaufslösungen – speichern dieselben Grunddaten häufig in unterschiedlicher Form. MDM schafft eine einheitliche, unternehmensweite Datenbasis. So werden Redundanzen und Widersprüche zwischen Systemen vermieden.[1]

Zu unterscheiden ist MDM von verwandten Disziplinen. Datensilos beschreiben das Problem isolierter Datenbestände, das MDM strukturell lösen soll. Data Governance ist der übergeordnete Rahmen aus Richtlinien und Verantwortlichkeiten, in den MDM eingebettet ist. Metadatenmanagement befasst sich mit beschreibenden Informationen über Daten, also mit deren Kontext, nicht mit den Kerninhalten selbst. Data Quality Management bezeichnet operative Maßnahmen zur Qualitätssicherung. Im MDM-Umfeld gilt es als ein Teilbereich.

Arten von Stammdaten

Stammdaten lassen sich nach ihrer inhaltlichen Kategorie in sogenannte Domänen unterteilen. Jede Domäne umfasst Datensätze mit eigenen Qualitätsanforderungen und Governance-Regeln.

Typische Stammdaten-Domänen im Master Data Management

Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Domänen und ihre Bedeutung im Unternehmenskontext:

Domäne Typische Datenobjekte Relevante Systeme
Kundendaten Name, Adresse, Kontakt, Segmentierung CRM, E-Commerce, ERP
Produktdaten Artikelnummer, Bezeichnung, Maße, Klassifikation PIM, ERP, Online-Shop
Lieferantendaten Lieferantenname, Bankverbindung, Zertifikate ERP, Einkauf, Buchhaltung
Mitarbeiterdaten Personalnummer, Abteilung, Standort HR-Systeme, Verzeichnisdienste
Standort- und Geodaten Niederlassungsadressen, Kostenstellen ERP, Logistiksysteme

In der Praxis sind Kunden- und Produktdaten die häufigsten Ausgangspunkte für MDM-Initiativen. Fehlerhafte Einträge in diesen Bereichen beeinträchtigen Geschäftsprozesse unmittelbar.

Funktionsweise und Architekturmuster

Master Data Management stützt sich auf eine zentrale oder föderierte Datenverwaltungsarchitektur. In der Praxis haben sich vier wesentliche Architekturstile herausgebildet.

  • Registry-Stil: Die Stammdaten bleiben in den Quellsystemen. Das MDM-System führt lediglich einen zentralen Index zur Identifikation und Verlinkung der Objekte.
  • Konsolidierungsstil: Daten aus verschiedenen Quellen werden in einem zentralen Repository zusammengeführt und bereinigt. Ein Zurückschreiben in die Quellsysteme findet nicht statt.
  • Co-Existence-Stil: Das MDM-System führt den Golden Record und synchronisiert ihn bidirektional mit den Quellsystemen.
  • Transaktionsstil: Alle Änderungen an Stammdaten laufen ausschließlich über das MDM-System. Nachgelagerte Systeme beziehen ihre Daten stets von dort.

Allen Stilen gemeinsam ist das Ziel, einen sogenannten Golden Record zu erzeugen. Dabei handelt es sich um einen eindeutigen, qualitätsgesicherten Masterdatensatz je Objekt. Er dient als autoritative Datenquelle für alle angebundenen Systeme. Die Erzeugung erfordert typischerweise Schritte wie Datenprofiling, Deduplizierung, Normalisierung und Validierung.

Einsatzbereiche in der Unternehmenspraxis

Master Data Management wird in nahezu allen Branchen eingesetzt. Besonders verbreitet ist es im Handel, in der Fertigungsindustrie, im Finanzwesen und im Gesundheitswesen. Voraussetzung ist stets, dass mehrere Systeme gemeinsam Stammdaten nutzen.

Im Einzelhandel und E-Commerce sorgt konsistentes Produktdatenmanagement dafür, dass Artikelinformationen auf allen Vertriebskanälen identisch und aktuell vorliegen. Im Gesundheitswesen ermöglicht ein einheitliches Patienten- und Medikamentendatenmanagement eine sichere, systemübergreifende Behandlung. Im Bankwesen bildet MDM die Grundlage für regulatorisches Reporting und Compliance-Anforderungen, zum Beispiel gemäß EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO).[2]

Unternehmen, die Data Driven Marketing betreiben, profitieren von einem zuverlässigen MDM. Personalisierte Kampagnen setzen qualitativ hochwertige Kundenprofile voraus. Ebenso ist eine höhere Data Maturity ohne strukturiertes Stammdatenmanagement kaum erreichbar.

Vorteile und Herausforderungen

Die wichtigsten Vorteile von MDM liegen in der verbesserten Datenqualität, der Reduktion von Prozessfehlern und der erhöhten Transparenz. Wenn alle Systeme dieselbe autoritative Quelle nutzen, sinkt die Fehlerquote bei Bestellungen, Rechnungen und Kundeninteraktionen. Regulatorische Anforderungen lassen sich ebenfalls leichter erfüllen.

Gleichzeitig ist die Einführung mit erheblichen Herausforderungen verbunden. Organisatorisch erfordert sie die Klärung von Data Ownership, also der Frage, wer für welche Daten verantwortlich ist. Zudem müssen unternehmensweite Datenstandards festgelegt werden. Technisch erschweren gewachsene IT-Landschaften die Integration. Schnittstellen zu Legacy-Systemen müssen aufwendig entwickelt werden. Darüber hinaus erfordert MDM eine kontinuierliche Pflege. Ein einmaliges Bereinigungsprojekt ohne nachhaltige Governance-Strukturen verpufft rasch.

Master Data Management im digitalen Wandel

Mit zunehmender Digitalisierung gewinnt Master Data Management weiter an Bedeutung. Cloud-basierte Lösungen senken die Einstiegshürde für kleinere Unternehmen. Aufwendige On-Premises-Installationen entfallen dabei. KI-gestützte Verfahren zur Datendeduplizierung und automatischen Klassifikation steigern die Effizienz der Stammdatenpflege deutlich.

Gleichzeitig wächst die Komplexität. IoT-Geräte (Internet of Things) erzeugen neue Stammdaten-Domänen, etwa zu Maschinen oder Betriebsmitteln. Diese müssen in bestehende MDM-Architekturen integriert werden. Im Bereich Logistik 4.0 sind konsistente Stammdaten eine unverzichtbare Grundlage für automatisierte Lieferkettenprozesse. Branchenverbände arbeiten daher an standardisierten Klassifikationssystemen. Ein Beispiel ist der internationale Standard eCl@ss für Produktdaten. Er erleichtert die Interoperabilität zwischen MDM-Systemen verschiedener Unternehmen.[3]

Master Data Management ist damit keine einmalige IT-Initiative. Es ist eine dauerhaft notwendige unternehmerische Disziplin im Umgang mit wachsenden, verteilten Datenbeständen.

Literaturempfehlungen

  • David Loshin: Master Data Management. Morgan Kaufmann, Burlington 2008, ISBN 9780123742254.
  • Alex Berson, Larry Dubov: Master Data Management and Data Governance. McGraw-Hill, New York 2011.

Verwandte Begriffe

Fußnoten

  1. Master Data Management: So pflegen Sie Ihre Stammdaten, Computerwoche
  2. Master Data Management Software im Vergleich, OMR Reviews
  3. Master-Data-Management-Software, Handelsblatt