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Memoji

Memoji bezeichnet eine von Apple entwickelte Funktion zur Erstellung personalisierter, animierter digitaler Avatare. Sie ist auf iPhone, iPad und Mac verfügbar. Nutzer gestalten eine cartoonartige Figur nach ihrem eigenen Erscheinungsbild und animieren diese in Echtzeit über die Gerätekamera. Das Ergebnis sind bewegliche, ausdrucksstarke Figuren für Nachrichten, Videoanrufe und Sticker.

Entstehung und Einordnung von Memoji

Memoji wurde von Apple auf der Worldwide Developers Conference (WWDC) im Juni 2018 zusammen mit iOS 12 vorgestellt. Es ist eine Weiterentwicklung der ein Jahr zuvor eingeführten Animoji – animierter, maskenartiger Emoji-Figuren (Tiere, Gegenstände, Fantasy-Wesen), die Gesichtsbewegungen des Nutzers übertragen. Memoji gehen weiter: Sie sind nicht auf vorgefertigte Masken beschränkt, sondern ermöglichen eine frei gestaltbare, menschliche Figur.

Innerhalb des Apple-Ökosystems ist das Feature fest in die Betriebssystemoberfläche integriert – nicht als eigenständige App. Apple gehört zu den sogenannten GAFA-Konzernen und positionierte Memoji als Alleinstellungsmerkmal im Bereich personalisierter Kommunikation.

Technische Grundlage: TrueDepth-Kamera und Face Tracking

Die Echtzeit-Animation der Memoji-Figuren basiert auf dem TrueDepth-Kamerasystem. Apple führte es erstmals mit dem iPhone X (2017) ein. Das System projiziert mehr als 30.000 unsichtbare Infrarotpunkte auf das Gesicht und berechnet daraus ein dreidimensionales Tiefenmodell.[1]

Auf dieser Grundlage analysiert die Software über 50 verschiedene Muskelbewegungen. So werden Ausdrücke wie Lächeln, Stirnrunzeln oder Mundöffnen präzise erfasst und nahezu verzögerungsfrei auf den Avatar übertragen.[2] Neuere iPhone-Modelle ohne TrueDepth-Frontkamera nutzen für einfachere Memoji-Sticker eine softwarebasierte Gesichtserkennung.

Memoji im Überblick: Plattformen und Kompatibilität

Seit iOS 13 (2019) sind Memoji nicht mehr ausschließlich auf Geräte mit Face-ID-Hardware beschränkt. Apple ermöglichte Memoji-Sticker auch auf älteren Geräten sowie auf iPads und Macs. Die vollständige Echtzeit-Gesichtsverfolgung bleibt an die TrueDepth-Hardware gebunden. Unter macOS lassen sich Memoji in FaceTime einsetzen; seit macOS Monterey (2021) auch als virtuelle Kamera in Drittanwendungen.

Anpassungsoptionen und Gestaltungsmöglichkeiten

Die Individualisierung erfolgt über ein umfangreiches Menü in der Nachrichten-App. Gestaltungsparameter umfassen unter anderem:

  • Hautton, Sommersprossen, Altersflecken und Wangen-Schimmer
  • Frisur, Haarfarbe und Gesichtsbehaarung
  • Augenform, Augenfarbe und Brillenmodell
  • Kopfbedeckungen, Kopfhörer und Ohrringe
  • Zahn- und Lippenfarbe sowie Nasen- und Ohrenform

Apple erweitert die Optionen mit jeder iOS-Version. Im Laufe der Jahre kamen Cochlea-Implantate, Sauerstoffgeräte und weitere Hilfsmittel hinzu. Das wird als Schritt zu mehr Diversität und Inklusion kommuniziert. Die fertige Figur lässt sich als Apple-ID-Profilbild verwenden oder als Sticker-Pack in andere iOS-Apps exportieren.

Einsatzbereiche in der digitalen Kommunikation

Memoji werden primär in drei Kontexten genutzt: als animierte Videofigur, als Sticker und als Profilbild.

In iMessage können Nutzer kurze Videobotschaften aufnehmen. Statt des realen Gesichts erscheint der animierte Avatar. Das ermöglicht eine Form nonverbaler Kommunikation, ohne das eigene Abbild preiszugeben. In FaceTime-Anrufen ersetzt der Avatar das Kamerabild vollständig in Echtzeit. Als Sticker lassen sich Memoji auch in Drittanbieter-Messenger einbinden, sofern die jeweilige App das iOS-Sticker-Format unterstützt.

Memoji stellen eine vereinfachte Form des digitalen Avatars dar. Im Metaverse kommt ein solcher Avatar als dreidimensionale, frei bewegliche Figur zum Einsatz – während Memoji als zweidimensionaler Video-Overlay fungiert.

Abgrenzung zu ähnlichen Konzepten

Memoji existiert nicht ohne Marktbegleiter. Die Tabelle zeigt die wichtigsten vergleichbaren Systeme im Überblick:

System Anbieter Technologie Plattform
Memoji Apple TrueDepth-Kamera, Face Tracking iOS, iPadOS, macOS
Animoji Apple TrueDepth-Kamera, vorgegebene Masken iOS
AR Emoji Samsung Frontalkamera, KI-basiert Android (Galaxy)
Bitmoji Snap Inc. Manuell gestaltet, keine Echtzeit-Animation Plattformübergreifend
Avatar (Meta) Meta Manuell gestaltet, 3D Facebook, Instagram, VR

Der Kernunterschied liegt in der hardwaregestützten Echtzeit-Gesichtserkennung. Bitmoji und Meta-Avatare sind statisch oder manuell animiert. Memoji überträgt dagegen die tatsächliche Mimik nahezu in Echtzeit. Im Kontext des Spatial Computing gelten solche Avatare als Vorläufer komplexerer Repräsentationssysteme.

Datenschutz und Kritik

Die Verarbeitung biometrischer Gesichtsdaten wirft datenschutzrechtliche Fragen auf. Apple betont, dass erfasste Gesichtsdaten ausschließlich lokal auf dem Gerät verarbeitet werden.[3] Eine Personenidentifizierung über die TrueDepth-Kamera ist laut Apples Dokumentation technisch entkoppelt von der Face-ID-Authentifizierung.

Im Rahmen der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) gelten Gesichtsscans als biometrische Daten nach Art. 9 und unterliegen besonderem Schutz. Da die Verarbeitung auf dem Gerät stattfindet, entfällt eine Drittübermittlung. Die Einwilligung ergibt sich aus den allgemeinen Gerätebedingungen.

Kritiker weisen darauf hin, dass die lokale Datenspeicherung und mögliche Ausnahmen bei iCloud-Backups für Nutzer schwer nachvollziehbar bleiben.[4] Die wachsende Verbreitung von Memoji verändert die Erwartungen an digitale Kommunikation: Der persönliche Avatar tritt als Ausdrucksform neben Text und Foto.

Literaturempfehlungen

  • Leena Rao, Michael Grothaus: Apple Inc.: The Company and Its Visionaries. Greenwood, Santa Barbara 2013.
  • Judith Donath: The Social Machine. Designs for Living Online. MIT Press, Cambridge 2014, ISBN 9780262027014.

Fußnoten

  1. Infrarot-Punkteraster der TrueDepth-Kamera: Mehr als 30.000 Punkte zur Gesichtsvermessung (WELT)
  2. TrueDepth-Kamera analysiert über 50 Muskelbewegungen für Animoji und Memoji (OnlineMarketing.de)
  3. Lokale Verarbeitung von Gesichtsdaten auf dem Gerät – keine Zuordnung zur Person (NZZ)
  4. Apples Memoji: Gesichtsausdrücke des Nutzers werden in Echtzeit auf den Avatar übertragen (heise online)