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Customer Data Platform

Eine Customer Data Platform (kurz: CDP, deutsch: Kundendatenplattform) bezeichnet eine softwarebasierte Plattform, die Kundendaten aus unterschiedlichen Quellen in einem zentralen Kundenprofil zusammenführt. Das System ist für Marketing-, Vertriebs- und Serviceteams direkt zugänglich. Es erlaubt die Segmentierung sowie Aktivierung der Daten über verschiedene Kanäle hinweg.

Hintergrund und Entstehung

Den Begriff „Customer Data Platform“ prägte maßgeblich das CDP Institute, das David Raab 2016 in den USA gründete. Zuvor arbeiteten Unternehmen mit getrennten Systemen: Customer Relationship Management-Lösungen, E-Mail-Tools und Web-Analytics-Dienste tauschten Kundendaten kaum aus. Jedes System pflegte seine eigene Datenbasis. Fragmentierte Kundenprofile und inkonsistente Marketingmaßnahmen waren die Folge.

Mit der Verbreitung digitaler Touchpoints – Apps, soziale Netzwerke, stationäre Kassensysteme – stieg der Bedarf an einer übergreifenden Datenbasis. Die Customer Data Platform entstand als Antwort auf diese Komplexität. Sie sollte die Datenlücken zwischen bestehenden Systemen schließen und eine einheitliche Sicht auf den Kunden schaffen.

Funktionsweise einer Customer Data Platform

Der Betrieb gliedert sich in vier aufeinanderfolgende Schritte: Datenerfassung, Datenvereinheitlichung, Profilbildung und Datenaktivierung. Jeder Schritt baut auf dem vorherigen auf.

Datenerfassung und -integration

Die Plattform sammelt Rohdaten aus vielen Quellen: Websites, mobile Apps, CRM-Systeme, Point-of-Sale-Daten, E-Mail-Kampagnen und Call-Center-Protokolle. Die Anbindung erfolgt über APIs (Application Programming Interfaces), SDKs oder vorkonfigurierte Konnektoren. Primäre Datenbasis ist die First Party Data. Sie stammt unmittelbar aus der Kundenbeziehung und ist datenschutzrechtlich besonders belastbar.

Identitätsauflösung und Profilbildung

Ein zentraler Mechanismus ist die sogenannte Identity Resolution. Die Plattform ordnet Datenpunkte verschiedener Kanäle einem einzigen Kundenprofil zu. Eine Cookie-ID, eine E-Mail-Adresse und eine CRM-Kundennummer werden so zu einem persistenten Unified Customer Profile zusammengeführt. Dieses Profil enthält demographische Merkmale, Verhaltens- und Transaktionsdaten sowie abgeleitete Attribute wie die Kaufhistorie. Die Profile werden in Echtzeit aktualisiert.

Customer Data Platform: Segmentierung und Aktivierung

Auf Basis der konsolidierten Profile definieren Marketer Zielgruppensegmente. Kriterien können demographische Merkmale, Verhaltensdaten oder prädiktive Scores sein. Die Segmente werden anschließend an nachgelagerte Systeme übertragen: an E-Mail-Versandlösungen, Paid-Advertising-Plattformen oder das eigene E-Mail Marketing-System. Dieser Schritt heißt Datenaktivierung. Da die Customer Data Platform das technische Rückgrat bildet, sprechen Fachleute von einem „Hub-and-Spoke“-Modell, bei dem die CDP als zentraler Knotenpunkt fungiert.

Abgrenzung zu verwandten Systemen

Die Customer Data Platform wird häufig mit ähnlichen Technologien verwechselt. Eine klare Abgrenzung ist für das Verständnis der jeweiligen Einsatzzwecke essenziell.

System Primärer Fokus Datentypen Zugriff durch
CDP Einheitliches Kundenprofil, Aktivierung First-, Second- und Third-Party-Daten Marketing, Vertrieb, Service
CRM Verwaltung von Kundenbeziehungen Transaktions- und Kommunikationsdaten Vertrieb, Kundenservice
DMP Anonyme Zielgruppen für Werbung Vorwiegend Third-Party-Daten (Cookie-basiert) Programmatic Advertising
Data Warehouse Analytische Datenspeicherung Strukturierte Unternehmensdaten IT, Business Intelligence

Besonders relevant ist die Abgrenzung zur DMP Data Management Platform. Eine DMP arbeitet primär mit anonymisierten, cookie-basierten Drittanbieter-Daten für programmatische Werbung. Eine CDP hingegen verarbeitet identifizierbare Erstanbieter-Daten mit langfristiger Persistenz. Angesichts des Auslaufens von Third-Party-Cookies verliert die DMP an Bedeutung – CDPs gewinnen entsprechend an Relevanz.

Einsatzbereiche und Anwendungsszenarien

CDPs werden branchenübergreifend eingesetzt: im Einzelhandel, im Finanzdienstleistungssektor, in der Telekommunikation sowie im Medien- und Verlagsbereich. Voraussetzung ist eine hohe Anzahl von Kundenkontaktpunkten. Typische Anwendungsszenarien umfassen:

  • Personalisierung: Individuelle Produktempfehlungen werden auf Basis von Echtzeit-Verhaltensdaten ausgespielt.
  • Omnichannel-Marketing: Konsistente Kommunikation über alle Kanäle hinweg, gestützt auf ein einheitliches Kundenprofil. Den strategischen Rahmen liefert der Omnichannel-Ansatz.
  • Churn-Prävention: Prädiktive Modelle identifizieren Kunden mit hohem Abwanderungsrisiko. Gezielte Bindungsmaßnahmen können frühzeitig eingeleitet werden.
  • Lookalike-Modellierung: Profile von Hochwertkunden dienen als Vorlage, um ähnliche Neukunden über Paid-Channels anzusprechen.
  • Attribution: Die konsolidierte Datenbasis erlaubt eine kanalübergreifende Analyse, welche Touchpoints zur Conversion beigetragen haben.

Im Buyer-Personas-gestützten Marketing verschafft die Plattform Planern eine datenbasierte Grundlage, um Zielgruppenmodelle kontinuierlich zu verfeinern.

Datenschutz und rechtliche Rahmenbedingungen

Da eine Customer Data Platform personenbezogene Daten in erheblichem Umfang verarbeitet, unterliegt sie den Anforderungen der EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Zentrale Pflichten betreffen die Rechtsgrundlage der Verarbeitung, das Einholen informierter Einwilligungen sowie Betroffenenrechte wie Auskunft, Löschung oder Datenübertragbarkeit. Der Bitkom hat dazu Leitfäden zur datenschutzkonformen Datenverarbeitung erarbeitet, die auch für den CDP-Betrieb einschlägig sind.[1]

Besondere Anforderungen bestehen beim Consent Management. Eine CDP muss Einwilligungsstatusänderungen systemweit übernehmen und betroffene Profile sperren oder löschen können. Viele Anbieter integrieren daher Schnittstellen zu Consent Management Platforms (CMP). Bei grenzüberschreitender Datenübertragung in Drittländer sind zudem Standardvertragsklauseln oder andere Sicherheitsgarantien einzuhalten.

Markt und Anbieter

Der CDP-Markt wächst seit Mitte der 2010er-Jahre stark. Das CDP Institute zählt weltweit mehrere hundert Anbieter, die sich als Customer Data Platform positionieren.[2] Die Bandbreite reicht von spezialisierten Nischenlösungen bis hin zu Modulen großer Marketing-Suiten. Bekannte Anbieter sind Salesforce Data Cloud, Adobe Real-Time CDP, Segment (Twilio), mParticle und SAP Customer Data Cloud.

Analysten wie Gartner und Forrester unterscheiden zwischen „Marketing-CDPs“ und technisch ausgerichteten „Daten-CDPs“. Erstere sind eng mit Kampagnenfunktionen verknüpft, letztere fokussieren auf Datenintegration und API-Verfügbarkeit. Für die Auswahl einer CDP sind Integrationsfähigkeit, Datenschutz-Compliance-Features, Skalierbarkeit und der Total Cost of Ownership (TCO) ausschlaggebend.

Literaturempfehlungen

  • David Raab: Customer Data Platforms: Use People Data to Transform the Future of Marketing Engagement. Wiley, Hoboken 2021.
  • Martin Philipp, Andreas Faber: Marketing Automation. Mit System zum Erfolg im digitalen Marketing. Haufe, Freiburg 2020.

Fußnoten

  1. Bitkom: Datenschutzkonforme Datenverarbeitung nach der EU-Datenschutz-Grundverordnung – Leitfäden für Unternehmen
  2. OMR Reviews: Marktübersicht Customer Data Platforms – Anbieter und Lösungsvergleich