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Memes

Memes (Singular: Meme, englisch: meme, Aussprache: /miːm/) sind Bild-, Video- oder Textformate der digitalen Kommunikation. Sie werden über soziale Netzwerke und Messaging-Dienste rasch verbreitet, imitiert und abgewandelt. Memes transportieren Humor, Ironie oder politische Botschaften und gelten als charakteristisches Ausdrucksmittel der Internetkultur des frühen 21. Jahrhunderts.

Begriffsherkunft und theoretischer Hintergrund

Der Begriff geht auf den britischen Evolutionsbiologen Richard Dawkins zurück. Er prägte ihn 1976 in seinem Werk The Selfish Gene. Dawkins wollte kulturelle Übertragungsprozesse analog zur biologischen Evolution beschreiben. Das englische Wort meme leitet sich vom griechischen mimeme (Nachahmung) ab.[1] Dawkins kürzte es nach dem Vorbild des Wortes „Gen“.

In seiner Theorie sind Meme kulturelle Replikatoren: Ideen, Melodien oder Symbole, die sich durch Nachahmung verbreiten und dabei mutieren.[2] Sie können im kulturellen Gedächtnis überleben oder verschwinden – ähnlich wie Gene in einer Population. In den 1990er-Jahren übertrug sich das Konzept auf das Internet. In Foren, Imageboards und sozialen Netzwerken entstanden Bildmuster, Phrasen und Video-Clips, die Nutzer massenhaft kopierten, veränderten und weiterverbreiteten.

Definition des Internet-Memes

Die Medienwissenschaftlerin Limor Shifman veröffentlichte 2014 eine vielzitierte akademische Definition. Ein Internet-Meme ist demnach „eine Gruppe digitaler Einheiten mit gemeinsamen Eigenschaften im Inhalt, in der Form und/oder der Haltung“. Diese Einheiten werden „in bewusster Auseinandersetzung mit anderen Memes erzeugt und von vielen Nutzern verbreitet, imitiert oder transformiert“.[3]

Die Definition hebt drei Aspekte hervor: strukturelle Ähnlichkeit zwischen Varianten, kollektives Bewusstsein der Produzenten füreinander und aktive Beteiligung der Nutzenden. Im Alltag wird der Begriff enger gefasst. Meist meint man Bildmakros – Fotos mit standardisierten Textfeldern – oder kurze animierte GIFs.

Memes im Überblick: Strukturmerkmale

Memes besitzen drei Kernmerkmale: ein erkennbares Ausgangsmuster (Vorlage), eine klare Struktur für schnelle Reproduktion und eine hohe Veränderungsbereitschaft. Die Vorlage – im Englischen Template – bleibt stabil. Bildunterschriften und Figuren variieren dagegen. Dieses Zusammenspiel aus Wiederholung und Abwandlung unterscheidet Memes von einmaligen viralen Inhalten.

Verbreitung und Nutzungsverhalten

Memes verbreiten sich bevorzugt über Instagram, X (ehemals Twitter), Reddit, TikTok und WhatsApp. Laut einer Bitkom-Umfrage hat mehr als jeder dritte Internetnutzer in Deutschland – 36 Prozent – schon einmal Memes öffentlich geteilt.[4] Die Verbreitung läuft in Sekundenschnelle ab und ist grenzüberschreitend. Englischsprachige Vorlagen werden oft in lokale Sprachen und Kontexte übersetzt.

Die Verbreitungsgeschwindigkeit hängt von drei Faktoren ab: emotionaler Resonanz, formaler Einfachheit und Anschlussfähigkeit an aktuelle Ereignisse. Politische oder sportliche Vorgänge können in Stunden zu Ausgangsmaterial werden. Kommunikationswissenschaftler nennen das Viral Spreading – den selbstverstärkenden Diffusionsprozess in Netzwerken.

Typen und Erscheinungsformen

Die Erscheinungsformen sind vielfältig. Zu den gängigsten Typen zählen:

  • Bildmakros: Fotos mit oberem und unterem Textbalken, etwa „Distracted Boyfriend“ oder „This Is Fine“.
  • Reaktions-GIFs: Kurze animierte Bildsequenzen als nonverbale Reaktion in Chats.
  • Deepfried Memes: Stark komprimierte Bilder, bei denen die visuelle Übertreibung selbst zur Aussage wird.
  • Video-Memes: Kurze Clips mit eingeblendetem Text auf TikTok oder YouTube Shorts.
  • Copypastas: Gleichlautende Texte, die leicht verändert massenhaft kopiert werden.

Die Grenzen zwischen den Typen sind fließend. Hybridformen entstehen stetig, weil Nutzende Formate aktiv rekombinieren.

Kulturelle und gesellschaftliche Bedeutung

Memes erfüllen mehrere kommunikative Funktionen. Als Träger von Humor und Ironie senken sie die Hürde für Teilnahme am kulturellen Diskurs. Zugleich dienen sie der Gruppenidentifikation. Wer ein Meme versteht, signalisiert Zugehörigkeit zu einer Community oder einem politischen Lager.

In politischen Kontexten setzen Akteure Memes gezielt ein, um Botschaften zu emotionalisieren und zu vereinfachen. Politikwissenschaftler weisen darauf hin, dass das Format zur Polarisierung beitragen kann. Es ermöglicht aber auch satirische Gegennarrative.

Im Marketing gelten Memes als kostengünstiges Instrument für organische Reichweite. Unternehmen riskieren jedoch Glaubwürdigkeitsverlust, wenn die Community ein Format als unecht wahrnimmt. Dieses Phänomen heißt im Englischen Corporate Cringe.

Abgrenzung zu verwandten Konzepten

Memes sind nicht deckungsgleich mit viralen Inhalten (Viral Content). Virale Inhalte verbreiten sich schnell, folgen aber nicht zwingend dem Variations- und Replikationsprinzip. Ein Video kann viral gehen, ohne dass Nutzer es in ein Template überführen. Das Meme definiert sich hingegen durch die gemeinschaftliche Weiterentwicklung der Vorlage.

Auch von Trends auf Kurzvideoplattformen wie TikTok sind Memes abzugrenzen. Tanzchoreografien und Challenge-Formate folgen ähnlichen Mechanismen, werden aber nicht immer als Memes klassifiziert. Die Memetik als Wissenschaftsdisziplin bleibt umstritten. Kritiker sehen das Gen-Analogon als zu mechanistisch an und werfen ihr vor, die Eigenlogik kultureller Bedeutungsproduktion zu unterschätzen.

Rechtliche Aspekte

Die Nutzung urheberrechtlich geschützter Bilder und Videoausschnitte in Memes schafft rechtliche Spannungsfelder. In der Europäischen Union erlaubt Art. 17 der DSM-Urheberrechtsrichtlinie die Nutzung zu satirischen oder parodistischen Zwecken – sofern keine wirtschaftliche Verwertung stattfindet. Die nationalen Umsetzungen variieren jedoch erheblich. Die Grenzen zwischen erlaubter Parodie und unerlaubter Nutzung sind in der Praxis oft unscharf. Plattformbetreiber tragen nach der Richtlinie in bestimmten Fällen Mitverantwortung für nutzergenerierte Inhalte.

Literaturempfehlungen

  • Limor Shifman: Meme. Kunst, Kultur und Politik im digitalen Zeitalter. Suhrkamp, Berlin 2014, ISBN 9780262317702.
  • Richard Dawkins: Das egoistische Gen. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 1996.
  • Michele Knobel, Colin Lankshear (Hrsg.): A New Literacies Sampler. Peter Lang, New York 2007.

Verwandte Begriffe

Fußnoten

  1. Dawkins, Memetik und kulturelle Evolution – SciLogs/Spektrum
  2. Definition von Memes und Dawkins‘ Ursprungskonzept – Universität Halle
  3. Überlegungen zu einer textuellen Definition von Internet-Memes – Universität Hamburg
  4. Meme-Kultur ist im Internet weit verbreitet – Bitkom e. V.