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Video-on-Demand

Video-on-Demand (kurz: VoD; deutsch: Abrufvideo) bezeichnet einen digitalen Dienst, der audiovisuelle Medieninhalte über das Internet zur Verfügung stellt. Dazu zählen Spielfilme, Serienepisoden, Dokumentationen und Kurzvideos. Nutzer können diese Inhalte unabhängig von festen Sendezeiten jederzeit abrufen – von nahezu jedem internetfähigen Endgerät.

Funktionsweise von Video-on-Demand

Technisch beruht Video-on-Demand auf dem Streaming-Verfahren. Videodaten werden nicht vollständig heruntergeladen, sondern in Echtzeit übertragen und parallel abgespielt. Anbieter komprimieren ihre Inhalte mit Codecs wie H.264 oder H.265. Die Auslieferung erfolgt über Content-Delivery-Netzwerke (CDN) – global verteilte Server, die kurze Ladezeiten sicherstellen.

Adaptives Bitraten-Streaming (ABR) passt die Videoqualität an die verfügbare Bandbreite an. Bekannte Protokolle sind HLS (HTTP Live Streaming) und MPEG-DASH. Unterbrechungen werden damit auch bei schwankender Verbindung weitgehend verhindert.

Kommerzielle Plattformen sichern Verwertungsrechte mit DRM-Systemen (Digital Rights Management). Gängige Lösungen sind Widevine, FairPlay und PlayReady. Sie verhindern technisch das unbefugte Kopieren und Weiterverbreiten.

Geschäftsmodelle und Angebotsformen

VoD-Dienste unterscheiden sich durch ihr Erlösmodell. Die Branche hat mehrere Varianten etabliert, die sich teils auch kombinieren lassen.

Die wichtigsten Video-on-Demand-Modelle im Überblick

Die folgende Tabelle zeigt die gängigen Modelle und ihre wesentlichen Merkmale.

Modell Abkürzung Funktionsprinzip Beispiele
Subscription Video-on-Demand SVoD Pauschales Abonnement; Zugang zum gesamten Katalog Netflix, Disney+, Amazon Prime Video
Transactional Video-on-Demand TVoD Einzelkauf oder befristete Leihe pro Titel Apple TV, Google Play Movies
Advertising-based Video-on-Demand AVoD Kostenloser Zugang, finanziert durch Werbeeinblendungen YouTube, Pluto TV, Tubi
Free Video-on-Demand FVoD Werbefrei und kostenfrei, oft öffentlich-rechtlich ARD Mediathek, ZDF Mediathek
Broadcast Video-on-Demand BVoD TV-Sender stellen Sendungen zeitversetzt bereit RTL+, ProSieben Now

SVoD-Dienste dominieren den Markt nach Umsatz. Sie bieten Nutzern Kostensicherheit und Anbietern stabile Einnahmen. TVoD eignet sich für aktuelle Neuerscheinungen. AVoD erlebt seit Mitte der 2010er-Jahre eine Renaissance: Werbekunden schätzen gezieltes Targeting auf Videoplattformen.

Historische Entwicklung

Das Konzept des Abrufvideos ist älter als das moderne Internet. Erste Versuche stammen aus den frühen 1990er-Jahren. US-amerikanische Kabelnetzbetreiber erprobten interaktive Systeme, über die Zuschauer einzelne Filme gegen Aufpreis bestellen konnten. Diese Projekte scheiterten an hohen Kosten und fehlenden Endgeräten.

Ab Mitte der 2000er-Jahre machte der Ausbau von Breitbandnetzen Streaming praktikabel. Netflix startete 2007 seinen Streaming-Dienst in den USA und wurde damit zum Synonym der SVoD-Ära. In Deutschland gewann Video-on-Demand ab 2010 an Bedeutung. Smartphones, Smart-TV-Geräte und der Glasfaserausbau gaben dem Markt den entscheidenden Schub.

Verbreitung und Marktbedeutung

Das Abrufvideo ist heute ein zentraler Bestandteil der deutschen Medienlandschaft. Streamingdienste und Mediatheken werden von vielen deutschen Internetnutzern regelmäßig genutzt.[1] Der globale VoD-Markt wächst kontinuierlich. Die COVID-19-Pandemie beschleunigte diesen Trend stark.[2]

Connected TV-Geräte sind ein wichtiger Wachstumstreiber. Sie ermöglichen den direkten Zugang zu Streaming-Diensten auf dem Fernsehbildschirm. Gleichzeitig prägt das Abrufvideo die Werbewirtschaft: Formate wie Pre-Roll- und Mid-Roll-Werbung entstammen diesem Ökosystem. In jüngeren Zielgruppen übertreffen sie klassische TV-Werbung bei der Reichweite.

Regulatorischer Rahmen

In Deutschland gilt für VoD-Dienste der Medienstaatsvertrag (MStV). Er löste im November 2020 den alten Rundfunkstaatsvertrag ab. Anbieter sind als Mediendiensteanbieter eingestuft. Sie müssen Vorschriften zu Jugendschutz, Barrierefreiheit und Werbetransparenz einhalten.[3]

Auf EU-Ebene gilt die Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste (AVMD-Richtlinie, Novelle 2018). Sie schreibt vor, dass mindestens 30 Prozent des Katalogs aus europäischen Produktionen bestehen müssen. Weitere Vorgaben betreffen Jugendschutz und Werbung. Deutschland hat die Richtlinie durch den Medienstaatsvertrag umgesetzt.[4]

Abgrenzung zu verwandten Konzepten

Video-on-Demand ist nicht gleichzusetzen mit linearem Internet-TV (IPTV). Bei IPTV gibt es einen festen Programmplan – wie im klassischen Rundfunk, nur über das IP-Protokoll. Beim Abrufvideo entscheiden Nutzer selbst, wann sie einen Inhalt sehen.

Von Broadcast Video-on-Demand (BVoD) unterscheidet sich das Konzept ebenfalls. BVoD steht für den zeitversetzten Abruf von Sendungen klassischer TV-Anbieter. Das übergeordnete Konzept umfasst dagegen alle Formen des frei wählbaren Videoabrufs – auch solche ohne Rundfunkhintergrund.

Beim Download wird eine Videodatei vollständig auf das Endgerät übertragen. Sie ist dann offline nutzbar. Beim Streaming verbleibt die Datei beim Anbieter; lokal entstehen nur kurze Puffer-Segmente. Viele Plattformen bieten heute beide Optionen gleichzeitig an.

Herausforderungen und Kritikpunkte

Trotz des Wachstums steht die Branche vor Problemen. Der starke Wettbewerb unter SVoD-Diensten erzeugt eine sogenannte „Subscription Fatigue“. Nutzer empfinden mehrere Abonnements als zu teuer. Sie kündigen oder wechseln daher häufig den Anbieter. Plattformen reagieren mit Investitionen in Eigenproduktionen, um Kunden zu halten.

Auch Umweltfragen gewinnen an Gewicht. Videostreaming zählt zu den größten Treibern des globalen Datenverkehrs. Der Energieverbrauch von Rechenzentren und Netzen ist erheblich. Viele Anbieter setzen auf erneuerbare Energien für ihre Server – sind aber noch am Anfang.

Die Vergütung von Kreativen bleibt ein Streitthema. Wie Plattformen Lizenzgebühren für Produzenten, Regisseure und Schauspieler gestalten, sorgt regelmäßig für Konflikte. Bekannt sind die Streiks der US-Gewerkschaften WGA und SAG-AFTRA im Jahr 2023.

Literaturempfehlungen

  • Lothar Mikos, Claudia Wegener (Hrsg.): Qualitative Medienforschung. Ein Handbuch. UVK, Konstanz 2017.
  • Gabriele Hooffacker, Wolf Lothar Laske: Online-Journalismus. Texten und Konzipieren für das Internet. Springer, Wiesbaden 2023.

Fußnoten

  1. Statista: Statistiken zu Video-on-Demand – Nutzungshäufigkeit von Mediatheken und Streamingdiensten in Deutschland 2024
  2. CHIP Praxistipps: Was ist Video on Demand? – Definition und Plattformübersicht
  3. Bundeszentrale für politische Bildung (bpb): Video on Demand / VoD – regulatorische Einordnung und Marktüberblick
  4. Computerwoche: Das ABC des Video on Demand – Erläuterung von Streaming-Protokollen und Angebotsformen