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Advertising-Video-on-Demand

Advertising-Video-on-Demand (kurz: AVoD) ist ein Geschäftsmodell im digitalen Videobereich. Nutzer rufen Videoinhalte kostenlos ab; der Dienst finanziert sich über Werbeeinblendungen. Das Modell steht im Gegensatz zu abonnementbasierten (SVoD) und transaktionsbasierten (TVoD) Varianten und bildet einen eigenständigen Marktbereich innerhalb der Streaming-Industrie.

Definition und Einordnung

Advertising-Video-on-Demand ist ein Teilsegment des übergeordneten Video-on-Demand-Marktes (VoD). Plattformen stellen Videoinhalte ohne direkte Zahlung bereit. Die Finanzierung läuft über Werbung, die vor, während oder nach dem Inhalt erscheint. Das Prinzip ähnelt dem klassischen Free-TV-Modell – überträgt es aber auf IP-basierte, nicht-lineare Umgebungen.

Im VoD-Spektrum gibt es drei Grundmodelle. SVoD (Subscription Video on Demand) arbeitet mit monatlichen Abonnements und liefert werbefreie Inhalte. TVoD (Transactional Video on Demand) erlaubt das Ausleihen oder Kaufen einzelner Titel. Advertising-Video-on-Demand hingegen ist kostenlos zugänglich und werbefinanziert. Hybridmodelle (HVoD) kombinieren Abo und Werbung: Nutzer zahlen weniger, sehen dafür Werbeeinblendungen.

Funktionsweise des Advertising-Video-on-Demand-Modells

Die Grundlage ist die Verbindung von Videostreaming und digitaler Werbung. Inhalte werden über einen Streaming-Dienst bereitgestellt. Die Werbeschaltung läuft meist programmatisch – also automatisch über Adserver und Bidding-Systeme. Der BVDW (Bundesverband Digitale Wirtschaft) beschreibt dieses Segment als werbefinanziertes Bewegtbild via Streaming.[1]

Advertising-Video-on-Demand: Werbeformate im Überblick

Werbemittel werden je nach Position im Videostream unterschieden. Pre-Roll-Ads laufen vor dem Inhalt. Mid-Roll-Ads unterbrechen ihn – ähnlich wie Werbeblöcke im Fernsehen. Post-Roll-Ads folgen nach dem Ende. Daneben existieren Overlay-Formate und Pause Ads, die beim Stoppen der Wiedergabe erscheinen.

Die Auslieferung folgt offenen Standards. VAST (Video Ad Serving Template) und VPAID (Video Player Ad Interface Definition) wurden vom IAB (Interactive Advertising Bureau) entwickelt. Sie sorgen dafür, dass Adserver, Videoplayer und Einkaufsplattformen (DSPs) reibungslos zusammenarbeiten. Mithilfe von Multi-ID-Targeting können Werbetreibende Zielgruppen präzise ansprechen – ohne auf Drittanbieter-Cookies zu setzen.

Marktstruktur und Anbieter

Der Markt wird von internationalen Plattformen geprägt. Bekannte Namen sind Tubi (Fox Corporation), Pluto TV (Paramount Global) und Amazon Freevee. Viele SVoD-Dienste haben inzwischen eigene, günstigere Werbe-Tarife eingeführt. In Deutschland sind Joyn (ProSiebenSat.1 / RTL Group) und waipu.tv relevante Angebote. YouTube und Dailymotion betreiben in Teilen ebenfalls AVoD-Modelle.

Für Sender und Medienunternehmen ist Advertising-Video-on-Demand attraktiv. Sie können Bestands-Inhalte kostenlos verfügbar machen und trotzdem Werbeerlöse erzielen. Das Prinzip zeigt sich deutlich beim Broadcast Video on Demand: Rundfunkanbieter öffnen ihre Mediatheken und binden dort werbefinanzierte Abrufoptionen ein.

Bedeutung für Werbetreibende und Nutzer

Werbetreibende schätzen an Advertising-Video-on-Demand die Kombination aus Reichweite und Zielgenauigkeit. Digitale Plattformen werten Nutzerdaten wie Sehverhalten, Gerätetyp und Standort aus. Das erlaubt präzisere Ansprache als im klassischen TV. Dazu kommt ein hochwertiges Umfeld durch professionell produzierte Inhalte. Laut einer Studie von Rakuten Advertising sind 62 Prozent der Verbraucher offen für werbefinanzierte Streaming-Angebote.[2]

Für Nutzer ist das Modell eine günstige Alternative zum Abo. Gerade in preissensiblen Segmenten ermöglicht es kostenlosen Zugang zu Filmen und Serien. Die Bereitschaft, Werbung zu akzeptieren, hängt stark von Qualität und Relevanz der Einblendungen ab.

Abgrenzung zu verwandten Modellen

Die Unterschiede zwischen den VoD-Modellen sind für Anbieter, Werbetreibende und Analysten wichtig. Sie beeinflussen Erlösquellen, Nutzerbeziehungen und Lizenzierungsstrategien. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick:

Modell Kürzel Finanzierung Nutzerzugang Beispiele
Advertising Video on Demand AVoD Werbeeinnahmen Kostenlos Pluto TV, Tubi, Joyn
Subscription Video on Demand SVoD Abonnementgebühren Abo-Pflicht Netflix, Disney+, Amazon Prime
Transactional Video on Demand TVoD Einzeltransaktionen Kauf oder Leih Apple TV, Google Play Movies
Hybrid Video on Demand HVoD Abo + Werbung Günstigeres Abo Netflix mit Werbung, Disney+ Basic
Broadcast Video on Demand BVoD Gemischt (oft AVoD) Meist kostenlos ARD Mediathek, RTL+

Die Grenzen zwischen den Modellen verschwimmen zunehmend. SVoD-Anbieter fügen Werbetarife hinzu; AVoD-Dienste ergänzen Premium-Optionen ohne Werbung. Mehr zu den Bildschirmumgebungen, auf denen AVoD genutzt wird, bietet der Eintrag zu Connected TV.

Wirtschaftliche Entwicklung und Herausforderungen

Advertising-Video-on-Demand etablierte sich seit Mitte der 2010er Jahre als eigenständiges Segment. Zwei Faktoren trieben das Wachstum an: die Sättigung des SVoD-Marktes (Stichwort „Subscription Fatigue“, also Abo-Müdigkeit) und die steigende Verbreitung von Smart-TVs. Statista weist das AVoD-Segment als wachsenden Teil des globalen VoD-Marktes aus.[3]

Zu den Herausforderungen zählen Werbeakzeptanz, Brand Safety und Datenschutz. Die DSGVO schränkt zielgruppenspezifisches Tracking ohne Einwilligung ein. Das Thema Responsible Media gewinnt daher im AVoD-Umfeld an Bedeutung. Werbetreibende legen großen Wert auf sichere und markenkonforme Umfelder.

Mediaagenturen und interne Mediaeinkäufer – etwa im Rahmen von Inhouse Media Buying – behandeln Advertising-Video-on-Demand heute als eigenständigen Kanal. Er ergänzt klassisches TV und digitales Display in der Mediaplanung.

Literaturempfehlungen

  • Sjurts, Insa (Hrsg.): Gabler Lexikon Medienwirtschaft. Springer Gabler, Wiesbaden 2011.
  • Gerhards, Maria / Klingler, Walter: Medienwandel im digitalen Zeitalter. Nomos, Baden-Baden 2020.

Fußnoten

  1. BVDW: Digital-Video-Guide – Wegweiser durch das digitale Videouniversum, Abschnitt zu AVoD und linearem Streaming (2023)
  2. Horizont: TV-Studie – Mehrheit würde werbefinanzierte Streamingmodelle nutzen (Rakuten Advertising-Studie)
  3. Statista: Advertising Video-on-Demand (AVoD) – Marktdaten und Prognose für Deutschland