Der BVDW (Bundesverband Digitale Wirtschaft e. V.) ist der zentrale Branchenverband für Unternehmen in Deutschland, deren Geschäftsmodelle auf digitalen Technologien aufbauen. Er vertritt die Interessen seiner Mitglieder gegenüber Politik, Behörden und Öffentlichkeit. Dabei versteht er sich als Impulsgeber und Wegweiser für die digitale Wirtschaft.[1]
Geschichte und Entstehung des BVDW
Der BVDW entstand im Jahr 2001 aus mehreren Vorläuferorganisationen. Unmittelbarer Vorgänger war der Deutsche Multimedia Verband (dmmv), gegründet 1995. Dieser setzte sich in den frühen Jahren des Internets für interaktive Medien und Onlineservices ein. Parallel dazu gab es den Verband der deutschen Internetwirtschaft (eco). Aus den Überschneidungen beider Organisationen entstand schließlich die neue Struktur.
Mit dem Namen „Bundesverband Digitale Wirtschaft“ wollte man alle Teile der digitalen Branche unter einem Dach vereinen. Der neue Verband sollte breiter aufgestellt sein als seine Vorgänger.
In den folgenden Jahren kamen weitere Fachgruppen und Gremien hinzu. Dazu zählt der Online-Vermarkterkreis (OVK). Er bündelt die Anbieter, die digitale Werbeflächen vermarkten. Durch diese Erweiterungen stieg die thematische Breite des Verbands deutlich an.
Aufgaben und Tätigkeitsfelder
Die Arbeit des BVDW lässt sich in drei Bereiche unterteilen: politische Interessenvertretung, Marktforschung und Normierung sowie Wissenstransfer und Vernetzung.
BVDW als politische Interessenvertretung
Als Lobbyorganisation bringt der Verband die Positionen der digitalen Wirtschaft in Gesetzgebungsverfahren ein. Das gilt auf nationaler wie auf EU-Ebene. Themen sind etwa der Datenschutz oder die Regulierung von Plattformen. Der Verband ist offizieller Ansprechpartner für Behörden, unter anderem für die Bundesnetzagentur.[2] Ein zentrales Ziel ist dabei, gute Bedingungen für Innovationen in Deutschland zu sichern.
Marktforschung und Normierung
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Erhebung von Marktdaten. Der dem Verband angegliederte OVK vereint führende Vermarktungsunternehmen. Er gibt regelmäßig Zahlen zum deutschen Online-Werbemarkt heraus. Dabei arbeitet der OVK mit dem Marktforschungsunternehmen Statista zusammen. Die Zahlen beruhen auf Umsätzen der OVK-Mitglieder und auf Analysen weiterer Daten.[3]
Zusätzlich erarbeiten die Fachgremien des Verbands Standards und Leitfäden. Diese decken Bereiche wie Affiliate-Marketing, Social Media und Suchmaschinen-Marketing ab. Ziel ist Markttransparenz und einheitliche Qualität in der Branche.
Wissenstransfer und Vernetzung
Der Verband organisiert und unterstützt wichtige Branchentreffen. Dazu gehört die DMEXCO (Digital Marketing Expo & Conference) in Köln. Sie gilt als eine der größten Messen für die digitale Wirtschaft weltweit. Daneben richtet der Verband eigene Kongresse und Arbeitsgruppen aus. Sie fördern den Austausch zwischen Unternehmen, Wissenschaft und Politik.
Struktur und Mitgliedschaft
Der BVDW ist als eingetragener Verein (e. V.) organisiert. Sein Sitz ist Düsseldorf. Die Mitglieder kommen aus verschiedenen Bereichen der digitalen Wirtschaft. Vertreten sind Start-ups, Agenturen und große Konzerne. Ihre Felder reichen von Online-Werbung über E-Commerce bis hin zu Künstlicher Intelligenz.
Intern gliedert sich der Verband in Fachgruppen, Arbeitskreise und Gremien. Mitglieder können dort aktiv mitarbeiten. Ein gewählter Vorstand legt die Strategie fest. Eine hauptamtliche Geschäftsführung leitet die tägliche Arbeit. Es gibt ordentliche, Förder- und assoziierte Mitglieder. Auf EU-Ebene pflegt der Verband Kontakte zu internationalen Partnerverbänden.
Abgrenzung zu verwandten Organisationen
Der BVDW ist nicht der einzige Verband, der die digitale Wirtschaft in Deutschland vertritt. Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Organisationen im Vergleich:
| Organisation | Schwerpunkt | Zielgruppe |
|---|---|---|
| BVDW | Online-Marketing, digitale Werbung, digitale Geschäftsmodelle | Digitalwirtschaft breit gefasst |
| Bitkom | IT, Telekommunikation, digitale Infrastruktur | ITK-Branche, Hardwarehersteller |
| eco | Internetinfrastruktur, Hosting, Domains | Netz-Infrastrukturanbieter |
| OVK (im BVDW) | Online-Displaywerbung und -vermarktung | Online-Vermarkter, Publisher |
Bitkom ist der größte digitalpolitische Verband und deckt die gesamte ITK-Branche ab. Der BVDW hat einen engeren Fokus. Er konzentriert sich auf Online-Marketing, digitale Werbung und datenbasierte Geschäftsmodelle. Der OVK ist kein eigener Verband. Er ist ein Gremium im BVDW und erhebt Marktdaten für die Online-Werbung.[4]
Bedeutung für die digitale Wirtschaft in Deutschland
Der BVDW verbindet Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Er bündelt Wissen aus vielen Teilen der Branche. So kann er klare Positionen in Gesetzgebungsprozesse einbringen. Seine Studien und Marktdaten gelten als verlässliche Referenz — für Firmen, Medien und die Forschung.
Zudem fördert der Verband Maßnahmen zur Selbstregulierung im Bereich der digitalen Werbung. Er entwickelt Verhaltensregeln, die das Vertrauen in digitale Angebote stärken sollen. Themen wie Search Retargeting oder die Steuerung der Einblendungsfrequenz werden in Verbandsgremien begleitet und normiert.
Auf EU-Ebene ist der BVDW ein anerkannter Ansprechpartner. Er bringt sich in Debatten zur Plattformregulierung, zum Datenschutz und zur digitalen Eigenständigkeit ein. Die Mitarbeit in europäischen Netzwerken stärkt den Einfluss der deutschen Digitalbranche im Binnenmarkt.
Führungskräfte wie der Chief Marketing Officer großer Digitalunternehmen sind oft mittelbar in die Verbandsarbeit eingebunden. Das Engagement im BVDW gilt als Weg, die Branche aktiv mitzugestalten. Der Verband ist damit nicht nur Interessenvertretung, sondern auch professionelles Netz für digitale Entscheider.
Literaturempfehlungen
- Kerstin Hoffmann: Verbände in der digitalen Gesellschaft. Kommunikation, Interessenvertretung und Selbstverständnis. Springer Gabler, Wiesbaden 2018.
- Miriam Meckel, Katarina Stanoevska-Slabeva (Hrsg.): Web 2.0. Die nächste Generation Internet. Nomos, Baden-Baden 2008.
Fußnoten
- ↑ Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e. V. – Selbstdarstellung und Verbandsauftrag
- ↑ Bundesnetzagentur – BVDW als offizieller Ansprechpartner der Regulierungsbehörde
- ↑ OnlineMarketing.de – OVK-Modell zur Ermittlung des deutschen Online-Display- und Videowerbemarkts
- ↑ Absatzwirtschaft – OVK im BVDW: Struktur und Prognose des deutschen Online-Werbemarkts