Die Customer Journey (deutsch: „Kundenreise“) bezeichnet den vollständigen Weg eines Kunden von der ersten Wahrnehmung eines Produkts oder einer Marke bis zum Kauf – und darüber hinaus. Das Konzept erfasst alle Berührungspunkte (Touchpoints) zwischen Kunde und Unternehmen. Diese werden als zusammenhängende Abfolge von Phasen und Erlebnissen abgebildet.
Hintergrund und Bedeutung
Das Konzept der Customer Journey entstand im Zuge der Ausbreitung des digitalen Marketings. Kaufentscheidungsprozesse wurden komplexer: Kunden nutzen heute selten nur einen einzigen Kanal. Sie bewegen sich über viele verschiedene Kontaktpunkte – online wie offline – bevor sie eine Entscheidung treffen. Werbung, Suchanfragen, soziale Medien, Bewertungsportale, Ladenbesuche und Empfehlungen können allesamt Teil dieser Reise sein.
Für Unternehmen ermöglicht die systematische Analyse Schwachstellen in der Kundenansprache zu erkennen. Marketingmaßnahmen lassen sich gezielter einsetzen und das Kundenerlebnis insgesamt verbessern. Die Customer Journey bildet damit eine Grundlage für strategische wie operative Entscheidungen. Ansätze wie Data Driven Marketing und Attribution setzen direkt auf diesen Erkenntnissen auf.
Phasen der Customer Journey
Die Customer Journey wird typischerweise in mehrere aufeinanderfolgende Phasen unterteilt. Je nach Modell variiert die genaue Anzahl. Das folgende Fünf-Phasen-Modell gilt in der Praxis als besonders verbreitet.
Die Customer Journey im Überblick: Die klassischen Phasen
Das am häufigsten verwendete Rahmenmodell gliedert die Reise in fünf Stufen:
- Awareness (Aufmerksamkeit): Der Kunde wird erstmals auf ein Produkt oder eine Marke aufmerksam – etwa durch eine Anzeige, einen Social-Media-Beitrag oder eine persönliche Empfehlung.
- Consideration (Erwägung): Das Interesse ist geweckt. Der Interessent holt Informationen ein, vergleicht Alternativen und liest Bewertungen.
- Decision (Entscheidung): Der Kunde trifft eine Kaufentscheidung und wählt ein konkretes Angebot. Preis, Verfügbarkeit und Vertrauen spielen hier eine zentrale Rolle.
- Retention (Bindung): Nach dem Kauf beginnt die Nachkaufphase. Kundendienst, Produkterfahrung und Kommunikation bestimmen, ob die Beziehung fortgesetzt wird.
- Advocacy (Empfehlung): Zufriedene Kunden werden zu Fürsprechern. Sie empfehlen das Unternehmen weiter – über Mundpropaganda, Bewertungen oder soziale Netzwerke.
Dieses Modell ähnelt dem klassischen AIDA-Prinzip (Attention, Interest, Desire, Action). Es geht jedoch über den reinen Kaufakt hinaus und bezieht die Nachkaufphase ausdrücklich mit ein.
Touchpoints und Kanäle
Jede Phase der Customer Journey besteht aus einer Vielzahl einzelner Kontaktmomente. Darunter versteht man jeden Moment, in dem ein Kunde aktiv oder passiv mit einem Unternehmen in Berührung kommt. Diese Berührungspunkte lassen sich nach verschiedenen Kriterien klassifizieren:
| Kategorie | Beispiele | Typische Phase |
|---|---|---|
| Paid Media | Suchanzeigen, Display-Werbung, Social Ads | Awareness, Consideration |
| Owned Media | Website, Blog, Newsletter, App | Consideration, Decision |
| Earned Media | Rezensionen, Presseartikel, Mundpropaganda | Consideration, Advocacy |
| Offline-Touchpoints | Filiale, Messe, Beratungsgespräch | Decision, Retention |
Die Vielzahl möglicher Touchpoints macht deutlich, warum die Koordination aller Kanäle eine zentrale Herausforderung ist. Ein kanalübergreifendes Omnichannel-Marketing wird damit zur Voraussetzung für eine konsistente Kundenkommunikation.
Customer Journey Mapping
Customer Journey Mapping ist die visuelle Methode, mit der Unternehmen die Kundenreise dokumentieren und analysieren. Ziel ist es, alle relevanten Touchpoints, Emotionen und Erwartungen übersichtlich darzustellen.[1] Das entstehende Diagramm wird als „Customer Journey Map“ bezeichnet und enthält typischerweise folgende Elemente:
- Persona: Ein fiktiver, aber datenbegründeter Prototyp des typischen Kunden.
- Phasen: Die definierten Abschnitte der Reise.
- Touchpoints: Die konkreten Berührungspunkte je Phase.
- Emotionen und Erwartungen: Wie fühlt sich der Kunde in jeder Phase? Wo entstehen Frustrationen?
- Pain Points: Identifizierte Schwachstellen oder Hürden, die Abbrüche verursachen können.
Das Mapping wird sowohl im B2C- als auch im B2B-Kontext eingesetzt.[2] Es dient als Grundlage für die Optimierung von Marketingmaßnahmen, Produktentwicklung und Kundenservice. Eng verwandt ist das Konzept der Moments of Truth, das kritische Entscheidungsmomente innerhalb der Reise besonders hervorhebt.
Abgrenzung zu verwandten Konzepten
Die Customer Journey wird häufig zusammen mit anderen Konzepten genannt. Sie unterscheidet sich von diesen jedoch inhaltlich:
- Customer Experience (CX): Die Customer Journey beschreibt den Pfad. Die Customer-Experience bezeichnet das subjektive Erlebnis des Kunden auf diesem Weg – also die emotionale und wahrnehmungsbezogene Dimension.
- Marketing Funnel: Der Funnel (Trichter) beschreibt, wie potenzielle Kunden stufenweise auf einen Kaufabschluss hin qualifiziert werden. Er nimmt die Perspektive des Unternehmens ein. Die Customer Journey hingegen stellt die Kundenperspektive in den Mittelpunkt.[3]
- Buyer’s Journey: Im B2B-Marketing gebräuchlicher Begriff. Er fokussiert den Entscheidungsprozess auf Einkäuferseite und ist oft enger auf die Vorverkaufsphase beschränkt.
- Attendee Journey: Eine Spezialisierung des Konzepts für den Veranstaltungskontext. Sie beschreibt die Erfahrungen eines Teilnehmers rund um ein Event.
Die Abgrenzung zum Marketing Funnel ist besonders praxisrelevant: Der Funnel ist ein unternehmenszentriertes Steuerungsmodell, die Customer Journey hingegen ein kundenzentriertes Analysewerkzeug.
Digitales Marketing und Messtechnik
Im digitalen Marketing erlaubt die konsequente Verfolgung der Kundenreise eine präzise Messung aller Marketingmaßnahmen. Methoden wie Performance Marketing und Multi-Touch-Attribution bauen darauf auf. Sie bewerten einzelne Touchpoints in ihrer Wirkung auf die Konversion und verteilen Werbebudgets entsprechend.
Dabei spielt der sogenannte Ropo-Effekt (Research Online, Purchase Offline) eine wichtige Rolle. Viele Konsumenten recherchieren Produkte digital, schließen den Kauf jedoch im stationären Handel ab. Dies erschwert die vollständige Messung der Customer Journey.[4]
Technologisch gestützt wird die Analyse durch Customer-Data-Platforms (CDP), CRM-Systeme und Web-Analytics-Tools. Sie führen Verhaltensdaten aus verschiedenen Quellen zusammen. Im Zuge wachsender Datenschutzanforderungen – etwa durch die DSGVO – gewinnen datenschutzkonforme Tracking-Alternativen an Bedeutung. Dazu gehören serverseitiges Tracking und First-Party-Data-Strategien.
Literaturempfehlungen
- Rainer Elste, Andreas Krämer: Customer Journey Management. Wie Unternehmen die Customer Experience systematisch gestalten. Springer Gabler, Wiesbaden 2020.
- Jeanne Bliss: Chief Customer Officer 2.0. How to Build Your Customer-Driven Growth Engine. Wiley, Hoboken 2015, ISBN 9781119154853.
- Wolfgang Prinz, Peter Lorenz: Digitales Marketing – Grundlagen und Strategien. UVK Verlag, München 2021.
Verwandte Begriffe
Fußnoten
- ↑ Customer-Journey-Prozess: Definition und Kundenperspektive – Gabler Wirtschaftslexikon
- ↑ Customer Journey im B2B: Aufbau, Touchpoints und Mapping – marconomy
- ↑ Was ist eine Customer Journey? Phasen, Funnel-Abgrenzung und Praxis – HubSpot Blog
- ↑ Customer Journey: Definition, Touchpoints und Kanäle – Advidera Glossar